falling deeper
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Wasser leitet keine Musik, es erstickt eine jede Melodie im Keim. Nicht ein Ton kann getragen werden vom Wasser, das stetig und unaufhaltsam seines Weges fließt.
Stimmen werden nicht vom von jenem flüchtigen Freund getragen, denn keine Stimmbänder wären in der Lage, das Meer zu überreden, Leid und Lachen anzuerkennen.
Auch Schreie bleiben stumm, Tränen verschwinden im Salz der Ozeane, als wären sie endlich daheim. Der Körper ist fast schwerelos, es ist ein ewiges sinken und treiben, bis der Tod nach dir greift. Seine kalten Finger erfassen dich, sein grausiges Lächeln verspottet dich höhnisch. Er lässt dich noch etwas zappeln, strampeln und um Luft beten, bevor er dich mit aller Gewalt zu sich reißt.
Tinte vermischt sich mit dem fließenden Nass, sie bilden eine Einheit und auch bald ist in dieser innigen Umarmung das sanfte blau der Farbe nicht mehr zu erkennen. Papier verflüchtigt sich und ist nicht mehr greifbar, es wird zu Schlick und vereinigt sich mit dem Grund des Meeresbodens.
Selbst Gedanken können vom Wasser fortgespült werden. Die warme und zärtliche Berührung der Brandung verleitet das träge Gemüt, sich einfach hinzugeben. Sie lockt mit dem Versprechen, dass die See die Rettung sein kann. Eine schützende Brust, an die man sich klammern kann.
Und die Gedanken verfliegen, bis der benannte Tod nach dir greift.
Wie also überliefert man eine Geschichte, deren Fortbestehen dem Wasser geopfert wurde, deren dramatischster Akt vom Wasser gespielt wird?
Wenn das einzige, was du im Leben noch besitzt, deine fließenden Gedanken, die fort gespülte Tinte, das flüchtige Papier und die trauernde Stimme sind?
Ich meine zu erahnen, dass du dazu tendierst, die Behauptung aufzustellen, dass eine solche Geschichte des Erzählens nicht wert sei. Dass es Schicksal ist, dass die Mittel, etwas zu erzählen, wie wir kennen, vom Hauptdarsteller vernichtet wurden.
Doch trüge dich nicht!
Was weißt du schon vom Schicksal?
Hast du je ein Wort mit Tyche oder den Moiren gewechselt? Kannst du dir ihr bitteres Sein und ihre Unvernunft überhaupt vorstellen?
Oh ja, Götter sind unfehlbar.
Ich spüre, dass du das denkst!
Doch trüge dich auch hier nicht.
Denn wie das Wasser alles verschlingt und sich zu eigenen macht, so mache ich es mit der Geschichte. Denn Geschichten und Überlieferungen können das Leben füllen, glaube mir.
Und so, höre meine Geschichte. Höre sie, erfasse sie und glaube sie.
Denn wie die Götter ihre Fehler machen, so gibt es immer jene, die diese erfahren.

17.6.07 16:46
 


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